1.11.2011 | Wien Modern, 19.30 UHR
© Oliver Topf
„Das ziellose Flanieren ist eine der schönsten Leidenschaften: loszugehen ohne zu wissen, wohin man gelangen wird, ist aber gleichzeitig auch eine permanente Herausforderung, da sich die Richtung jederzeit ändern kann.“
Diesem Motto folgend, schreitet die Solistin (Petra Ackermann, Viola) – vom Ensemble begleitet – in Gerald Reschs Werk Ein Garten. Pfade die sich verzweigen ein klangsinnliches Wegegeflecht ab. Drei Vorstellungen haben die Komposition des Stückes laut Komponist besonders geprägt: „Die vielfältigen Verzweigungen der Wege, die genützten und ungenützten Möglichkeiten, die Richtung zu wechseln sowie die Idee einer stilisierten Natur, wie sie sich in einem planvoll angelegten Garten verwirklicht.“
Ganz im Kontrast dazu präsentiert sich Gérard Pessons Mes béatitudes für Streichtrio und Klavier. Hohe, kurze Klavierklänge zerschneiden immer wieder die wunderbaren, leisen, geräuschhaften und hoch virtuosen Texturen.
In Superfluidity II für Gitarre solo und kleines Ensemble (Auftragswerk von PHACE) erforscht Arturo Fuentes (composer in residence von PHACE 2011/12) die “Porösität” einiger harmonischer Farben, mit dem Versuch, die Klangfarben ineinander aufzulösen. In seiner Werkbeschreibung schreibt Arturo Fuentes: Ich denke stets, dass die Klangfarben (Timbres) beim Auflösen neue Morphologien bilden, so als wäre der Klang eine Art Lava, die im Fluss ständig ihre Farbe und Form ändert. Ein Segment löst sich auf und bildet dadurch ein anderes. In diesem Stück möchte ich eine Klangfarbenfluidität zwischen Gitarre und Ensemble erreichen, die den Klangraum so “erweitert”, als gäbe es andere, neue “Tiefen”, die von der Oberfläche aus wahrnehmbar sind.
Rebecca Saunders, Engländerin und eine der spannendsten Komponistinnen der jüngeren Generation, konfrontiert in Dichroic Seventeen mit einer deutlich raueren und ungemein faszinierenden Klangwelt. Kühle, scharfkantige, spitze, metallische Klänge brechen wie Eruptionen aus geordneten, ruhigeren Klangfeldern hervor, um kurz danach wieder in diese abzutauchen.
Hoch virtuos, dramatisch und ausdrucksstark – so präsentiert sich der Solopart (Ivana Pristasova, Geige) im Werk des britischen Komponisten Jonathan Harvey. Harvey, 1939 in Warwickshire geboren, entwirft ein quasi opernartiges Werk für Violine und Ensemble. Die Solo-Violine durchwandert mehrere dramatische Stationen, ausgewiesen in der Partitur als Lament, Mystical Event (die Ankunft der Holzbläser), Romantic Event, Dream und Metamorphosis. (Reinhard Fuchs)
PROGRAMM
Gerald Resch
Ein Garten. Pfade die sich verzweigen. (1999–2001) für Viola solo und 7 Instrumente
Gérard Pesson
Mes béatitudes (1994/95) für Klavier und Streichtrio
Arturo Fuentes
Superfluidity II für Gitarre solo und kleines Ensemble (UA)
(Pause)
Rebecca Saunders
Dichroic seventeen (1996) für Akkordeon, Klavier, E-Gitarre, 2 Schlagzeuger, Cello und 2 Kontrabässe
Jonathan Harvey
Scena (1992) für Violine solo und Kammerensemble
PHACE | CONTEMPORARY MUSIC
Simeon Pironkoff, Dirigent
Sonja Korak, Flöte
Reinhold Brunner, Klarinette
Lars Mlekusch, Saxophon
Bernd Kohlhofer, Akkordeon
Jürgen Ruck, Gitarre, E-Gitarre
Julia Reth, Harfe
Mathilde Hoursiangou, Klavier
Berndt Thurner, Igor Gross, Schlagwerk
Ivana Pristasova, Thomas Wally, Violine
Petra Ackermann, Viola
Roland Schueler, Cello
Maximilian Ölz, Michael Seifried, Kontrabass
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